SPD Kreisverband Schleswig-Flensburg

Sozial. Gerecht. Vor Ort

29. Juni 2020

Allgemein
Was Corona mir persönlich gebracht hat und warum das nicht unbedingt eine Katastrophe sein muss.

Ein Erfahrungsbericht von Dorothea Krug, Sprecherin des Arbeitskreises Umwelt der SPD Schleswig Flensburg.

Seit dem Beginn der Corona Pandemie, gerne auch als Krise bezeichnet, überlege ich immer häufiger wie sich mein Leben dadurch verändert hat.


In 65 Lebensjahren gab es eine Menge Veränderungen, auch mal das Gefühl gerade eine Krise zu erleben. Aber diese Situation jetzt ist mir doch recht fremd und neu. Bis ich über diese Gedanken von Max Frisch gestolpert bin: Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ Danach habe ich mir das Ganze mit anderen Augen angesehen. Die undefinierbare Angst irgendwie bedroht zu sein, von etwas das unsichtbar und unbekannt daher kommt blieb.


Aber ab diesem Moment fing ich an aktiver zu werden. Zunächst versuchte ich mein Leben so zu regeln, dass ich möglichst wenige Kontakte zu großen Ansammlungen von Menschen in Supermärkten, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Leben hatte. Immerhin muss ich mich leider zu einer der benannten Risikogruppen zählen.


Also wie den häufigen Einkauf im Supermarkt vermeiden?
Das führte mich wieder hin zum Lieferservice eines örtlichen Bio-Handels Über diesen hatte ich bereits schon mal mir wöchentlich eine Kiste Obst und Gemüse liefern lassen. Der rechte Zeitpunkt das zu reaktivieren war gekommen und die Versorgung mit diesen Lebensmitteln war damit gesichert. Und daneben gab es dort inzwischen auch Milch- und Getreideprodukte, Brot und Kuchen! Die Molkereiwaren sogar in Mehrwegverpackungen.

Wöchentlich stand jetzt eine leere Kiste vor meiner Tür und wurde gegen eine gut gefüllte ausgetauscht. Und auch der Bio-Händler passte sich an die Nachfrage an. Schon nach wenigen Wochen gab es Hefe, Schokolade, Brotaufstriche. Online kann ich das was ich brauche aussuchen und bestellen. Ganz neu alles gezielt und in Ruhe aussuchen zu können. Etwas teurer waren die einzelnen Sachen schon als im Supermarkt, aber dafür musste ich eben auch nicht vor die Tür gehen.
Und Home Office bot mir reichlich mehr Zeit, immerhin fielen jetzt etliche Stunden Fahrtzeit zur Arbeit weg. Das war sehr gut geeignet mal wieder etwas selbst zu machen: Holunderblütensirup zum Aromatisieren von Wasser anstelle von Softgetränken, Backen von Brot, Zubereiten von Aufstrichen aus Frischkäse.


Nach mehreren Wochen dieser „Krise“ dieser neuen Routine muss ich mir einige Sachen eingestehen:
• Die Ausrede für alle diese Dinge keine Zeit zu haben bei einem Vollzeitjob mit Anfahrtszeiten zum Arbeitsort stimmt nicht.
• Auch die Annahme jetzt sehr viel teurer zu leben war falsch.


Ehrlich muss ich bekennen, dass überlegtes und geplantes Einkaufen gar nicht so viel Zeit in Anspruch nimmt. Meine wöchentlichen Einkäufe reichten ohne weiteres für den größten Teil meines Bedarfs aus. In den Supermarkt muss ich nur noch so alle vier bis fünf Wochen. Da ich geplanter bei der Sache war habe ich weniger Lebensmittel Müll. Ich kaufe nicht mehr ein als ich auch verbrauchen kann. Und die größte Überraschung: ich spare Geld. Das Ganze ist unter dem Strich eher billiger als mein Einkaufsverhalten vor Corona.


Der nächste Effekt ist der viel geringere Berg an Plastik und Verpackungsmüll. Vieles was ich bekomme ist unverpackt oder in Mehrwegbehältern. Brot und Backwaren sind in einfaches unbeschichtetes Papier verpackt. Ich fahre nicht mehr so oft und vollkommen unnötig einkaufen. Erstaunlich was das an Zeit spart.


Und das Selbermachen von ganz vielen Dingen ist da locker drin und nicht nur ein Effekt von Home Office und mehr Zeit zuhause.
Unter dem Strich merke ich:
• Es geht viel mehr als ich dachte.
• Eine Umstellung von alten und wenig nützlichen Angewohnheiten gelingt leichter als vermutet.
• Es wurde eine Herausforderung die durchaus auch Spaß macht und Lebensfreude stärkt.


Ich sehe jetzt die „Corona-Krise“ als eine Herausforderung der Natur an mich. Sie zeigt mir auf, dass wir Menschen und der Natur gegenüber nachlässig und gedankenlos verhalten haben. Wir sind in Bereiche vorgedrungen in denen wir nichts zu suchen haben. Haben Regenwälder und Biotope vernichtet und damit Tieren, Pflanzen und auch Viren ihren angestammten Lebensraum genommen.


Jetzt schlagen sie zurück und wir bekommen die Rechnung überreicht.
Ich fürchte es ist nicht unser Verdienst, dass wir so lange so sorg- und auch verantwortungslos dahin gelebt haben. Dachten wir nicht häufig es ist unser gutes Recht nach Lust und Laune nach Belieben uns in den Flieger setzen zu können und an die entlegensten Winkel unseres Planeten zu reisen.
Keine Veranstaltung, kein Rockkonzert konnte groß genug sein, erst in der Masse bringt uns das den richtigen Kick. Müll danach, zertrampelte Böden, was ist das schon! Wenn´s denn Spaß bringt!


Für mich ist klar: der Schuss vor den Bug hat gesessen und ich werde jetzt mehr und besser hinschauen was wirklich geht und was nicht. Meine Erfahrungen bestärken mich darin, dass viel mehr geht als ich dachte.


Ich lebe weiter, aber anders. Die diffuse Angst vor dem Virus bleibt.
Aber sie erinnert mich daran jeden Tag neu zu überlegen wo ich noch etwas kreativer werden kann.


Und wenn wir alle unseren Teil annehmen, dann können viele Vieles erreichen. Auch kleine Schritte bringen nach vorn.


Wir müssen nur anfangen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.